{"id":11027,"date":"2022-02-28T12:16:28","date_gmt":"2022-02-28T12:16:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.impacc.org\/vorstellung-der-impacc-kohorte-2022\/"},"modified":"2023-09-25T16:33:09","modified_gmt":"2023-09-25T16:33:09","slug":"vorstellung-der-impacc-kohorte-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/impacc.org\/de\/vorstellung-der-impacc-kohorte-2022\/","title":{"rendered":"Vorstellung der Kohorte 2022"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Januar hat sich das Impacc-Team in Kilifi, einer der \u00e4rmsten und zugleich sch\u00f6nsten Regionen Kenias, zum j\u00e4hrlichen Strategie- und Planungstreffen zusammengefunden. Der Ort war auch deshalb gew\u00e4hlt, weil dort Coco Vitasitzt, der j\u00fcngste Zugang zu unserer neuen Kohorte. Coco Vita ist das perfekte Beispiel f\u00fcr die Art von Unternehmen, die wir f\u00f6rdern wollen, mit einer spannenden Gr\u00fcndungsgeschichte, einem klasse Produkt und viel Potenzial, massenhaft Jobs in Gegenden extremer Armut zu schaffen. Vor gut 10 Jahren war Joan Atambo noch eine gutbezahlte Finanzmanagerin in Mombasa; dann erkrankte ihre Mutter an einer Autoimmunkrankheit. Ein bew\u00e4hrtes Mittel dagegen ist kaltgepresstes Kokos\u00f6l \u2013 es ist bekannt f\u00fcr seine antibakterielle und antimykotische Wirkung und enth\u00e4lt mehr laurische S\u00e4ure als Muttermilch (ich habe zwar Chemie in der zehnten Klasse abgew\u00e4hlt, aber mir wurde versichert, dass das eine gute Sache ist). In Kenia wachsen pro Jahr um die 300 Millionen Kokosn\u00fcsse \u2013 aber Joan musste das \u00d6l f\u00fcr ihre Mutter aus Australien importieren, weil sie in Kenia keins fand. Nachdem ihre Mutter wieder gesund geworden war, hat Joan aus ihrer Erfahrung ein Gesch\u00e4ft gemacht. Zehn Jahre sp\u00e4ter gibt es mit Coco Vita heute den einzigen Hersteller von reinem, kaltgepressten Kokos\u00f6l in der Region. Zeitweilig \u00fcber drei\u00dfig Frauen reiben, pressen und filtern einen Monat lang, bis das \u00d6l fertig ist \u2013 all das in einem manuellen Prozess in einer Gegend ohne flie\u00dfend Wasser, ohne Strom und ohne Stra\u00dfen. Joans Vision, ihre Produktion zu verzehnfachen und damit \u00fcber 5,000 Kleinbauern Einkommensm\u00f6glichkeiten zu verschaffen, hat uns \u00fcberzeugt. Mit einer Investition von ca. 100,000 Euro kann sie die Firma ans Stromnetz anschlie\u00dfen, behutsam mechanisieren, um die Arbeitsprozesse zum Beispiel beim Reiben zu vereinfachen und das schnell verderbliche Kokoswasser k\u00fchlen und weiterverarbeiten statt es wie bisher zu entsorgen.<\/p>\n<div>Geschichten wie die von Coco Vita k\u00f6nnte ich \u00fcber alle unsere neuen Ventures erz\u00e4hlen, aber dann wird der Newsletter zu lang. Deshalb hier im Kurzdurchgang ein kleiner \u00dcberblick, wen wir sonst noch in die neue Kohorte aufgenommen haben. Der regionale Fokus lag in diesem Jahr auf Kenia, wo wir unser gr\u00f6\u00dftes B\u00fcro haben und nah dran sein k\u00f6nnen an den Unternehmen und ihren M\u00e4rkten.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><strong>Full Spoon<\/strong> vertreibt Erdnussbutter in Slums und beugt damit Mangelern\u00e4hrung vor. Das Produkt ist gut, aber eben normale Erdnussbutter. Die \u2013 kleine aber entscheidende \u2013 Innovation: statt wie bisher in Gl\u00e4sern zu verkaufen, die sich die meisten Slum-Bewohner nicht leisten k\u00f6nnen, setzt Full Spoon auf Einzel-Sachets, die f\u00fcr einen halben Laib Brot reichen. Das ist \u00f6kologisch nicht perfekt, aber es schafft neue M\u00e4rkte f\u00fcr gesunde Ern\u00e4hrung: Erdn\u00fcsse enthalten ca. 50% Protein und sind so eine wesentlich nahrhaftere Alternative als das typische Fr\u00fchst\u00fcck \u2013 ein frittierter Krapfen und eine Tasse Schwarztee. Und das Produkt kommt an: als wir im Dezember im Kibera-Slum von Nairobi eigentlich nur Marktforschungs-Interviews f\u00fchren wollten, haben uns gleich 7 von 10 Kiosk-Besitzern Sachets abgekauft, weil sie das Marktpotential sofort erkannt haben. Mit unserer Investition will Full Spoon eine neue Vertriebsstruktur in der sogenannten Kadogo-Economy (nach \u201ekidogo\u201c \u2013 \u201eklein\u201c) aufbauen, die Kleinstgebinde profitabel verkaufen kann.<\/div>\n<div> <\/div>\n<div>ACT (<strong>Africa Collect Textiles<\/strong>) macht Textil-Recycling und Upcycling in Kenia und Nigeria. In fast jeder afrikanischen Stadt gibt es Heerscharen von uniformierten \u201eGuards\u201c. Ich hatte mich nie gefragt, was eigentlich mit den alten Uniformen geschieht. Nun, sie werden weggeworfen, damit sich niemand f\u00e4lschlicherweise als \u201eGuard\u201c ausgeben kann. ACT gibt diesen Uniformen zum Beispiel als Schuluniformen ein zweites Leben; was nicht wiederverwendet werden kann, wird zum Beispiel zu Teppichen aus Jeans-Stoff gewebt.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><strong>M-Shamba<\/strong> verschafft Kleinbauern faire Marktzug\u00e4nge und hilft, Hungersn\u00f6te zu vermeiden. In vielen Teilen Afrikas gibt es sogenannte Mikro-Hungersn\u00f6te: reiche Ernten in einem Landstrich, D\u00fcrre und Ernteausf\u00e4lle im angrenzenden \u2013 und kein funktionierender Markt, um das auszugleichen. M-Shamba schafft mit einer einfachen technischen L\u00f6sung Transparenz und vermittelt Kleinbauern Marktzug\u00e4nge. Die Uni-Ausgr\u00fcndung von Calvince Okello war urspr\u00fcnglich als App gestartet \u2013 so wie alles heute irgendwie eine App sein muss, um attraktiv zu wirken. Das Problem: die wenigsten Kleinbauern haben Smartphones. Also hat M-Shamba eine einfachere, SMS-basierte L\u00f6sung auf den Markt gebracht. Das Problem hier: viele Mobilfunkvertr\u00e4ge haben ein Limit von 20 SMS pro Woche, und 15 davon kamen bereits vom Mobilfunk-Anbieter selbst. Also ist M-Shamba noch eine Stufe tiefer gegangen und hat heute eine Art automatisiertes Call-Center, das sprachbasierte Informationen und auch Trainings anbietet. F\u00fcr uns ein tolles Beispiel f\u00fcr Unternehmergeist, der so lange experimentiert, bis das Produkt wirklich auf die Bed\u00fcrfnisse des Marktes passt und bereits von zehntausenden Kunden genutzt wird. Mit unserer Investition will M-Shamba in weitere afrikanische L\u00e4nder expandieren. <\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>Auch <strong>Marbi Agric<\/strong> schafft faire Marktzug\u00e4nge f\u00fcr Kleinbauern, aber hier mit einer smarten L\u00f6sung, die Saatgut vorfinanziert (ein g\u00e4ngiges Modell), aber mit Versicherungspolicen verbindet, die das Risiko minimieren, wenn es zu Ausf\u00e4llen kommt. Gr\u00fcnderin Bernadette Mwanza kommt aus der Versicherungsbranche und setzt ihre Erfahrung jetzt f\u00fcr arme Kleinbauern ein.<\/div>\n<p>Alle diese Unternehmen haben etwas gemeinsam: tolle Unternehmerinnen (ok, zwei M\u00e4nner sind auch dabei, aber sie sind eindeutig in der Unterzahl), clevere, gr\u00fcne Gesch\u00e4ftsideen in Gegenden extremer Armut, erste unternehmerische Erfolge \u2013 und: kein Geld. F\u00fcr Hilfsprojekte sind sie zu unternehmerisch, f\u00fcr klassische Investoren nicht profitabel genug, denn sie geben all ihr Geld ja f\u00fcr menschenw\u00fcrdige L\u00f6hne aus. Und damit kommen wir ins Spiel. Und machen uns auf, in diesem Jahr eine Million Euro an Investitions-Spenden aufzutreiben, damit aus all diesen guten Ideen auch wirklich nachhaltige Jobs werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":8657,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[146,129],"tags":[],"class_list":["post-11027","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-impacc-portfolio-de","category-start-ups-de"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11027"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11027\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11725,"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11027\/revisions\/11725"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/impacc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}