Kubik-CEO Kidus Asfaw mit unserer Venture Builderin Bilen Dinke bei der Vertragsunterzeichnung

Eine neue Investition und ein Produktivitätssprung

Eine neue Investition und ein Produktivitätssprung

Till Wahnbaeck

Gründer & CEO

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Liebe Impacc-Freunde,

wieder sind zwei Monate um, und wieder ist viel passiert bei uns.

Dieser Newsletter handelt von einem Gründer in Äthiopien, den wir seit Jahren verfolgen, von einem unerwarteten Produktivitätsgewinn und von einer Veränderung innerhalb unserer eigenen Wände, die wenig Aufmerksamkeit bekommt, aber viel bewirkt. Auf geht's:

Kubik: Wenn ein Neuanfang alles verändert

Wir haben unterschrieben. Unser neuestes Portfolio-Unternehmen heißt Kubik, sitzt in Äthiopien, und der Gründer heißt Kidus Asfaw. Wir beobachten ihn seit einigen Jahren aus der Distanz und haben seine Entwicklung verfolgt. Er ist das perfekte Beispiel für einen Gründer, der nicht in sein Produkt verliebt ist, sondern in sein Problem.

Kubik begann als Startup, das Plastikmüll zu Baumaterialien verarbeitet — ganz ähnlich wie Gjenge Makers aus Kenia, die bereits in unserem Portfolio sind. Aber die Rechnung ging nicht auf, Kubik konnte mit industriell hergestellten Materialien nicht konkurrieren. Also hat Kidus sich neu erfunden. Heute sammelt Kubik weiterhin Plastikabfälle, verarbeitet sie aber als Kohleersatz für Zementöfen. Zementöfen brauchen extrem hohe Temperaturen — und es gibt bislang keine erneuerbaren Energiequellen, die das leisten könnten. Kohle ist der Standard, mit allen seinen bekannten Nachteile. Richtig aufbereiteter Plastikmüll verbrennt sauberer als Kohle, erzeugt vergleichbare Hitze und kaum schädliche Abgase. Keine Ideallösung, aber eine bedeutende Verbesserung gegenüber dem Status quo — vor allem, wenn man bedenkt, dass Plastik sonst oft schwelend am Straßenrand verbrannt wird und die Umwelt verpestet.

Kidus ist ein beeindruckender Unternehmer: visionär, klar und fokussiert. Er braucht Kapital, um das neue Geschäft aufzubauen, und wir geben es ihm. Äthiopien ist eines der schwierigsten Umfelder, in denen wir tätig sind, und gleichzeitig das Land, das Investitionen am dringendsten braucht. Genau deshalb wollen wir dort sein.

Kubik CEO Kidus Asfaw mit unserem Venture Builder Bilen Tesfu

Jahresabschluss 2025: Doppelt so groß, halb so schwer

Unsere Wirtschaftsprüfer haben gerade den Jahresabschluss 2025 testiert, und die Zahlen in Schwarz auf Weiß zu sehen, hat mich ehrlich gesagt ein bisschen stolz gemacht.

Im Vergleich zum Vorjahr haben wir unsere Bilanzsumme verdoppelt — auf rund 2 Millionen Euro — und unser Finanzvermögen ebenfalls verdoppelt, auf rund 1 Million Euro. Auch die freien Spenden haben sich fast verdoppelt - auf knapp eine Million Euro. Gleichzeitig haben wir unsere Personalkosten halbiert, weil wir unsere Abläufe gestrafft haben, und das bei gleichzeitig leicht gestiegenen Gehältern für die verbleibenden Teammitglieder. Auch die allgemeinen Verwaltungskosten sind um 40 Prozent gesunken. Wenn meine Rechnung stimmt, bedeutet das in etwa eine Vervierfachung unserer Produktivität: doppelte Ergebnisse bei halben Kosten.

Fairerweise muss ich sagen: Kosten sind in der Aufbauphase immer höher, und ich verspreche nicht, dass sich so ein Sprung regelmäßig wiederholen lässt. Aber er zeigt, dass man eine gemeinnützige Organisation mit derselben operativen Disziplin führen kann, die man von einem Unternehmen erwarten würde. Mit dem Unterschied, dass die Gewinne bei uns nicht als Dividenden an Gesellschafter fließen, sondern als weitere Investitionen in afrikanische Gründerinnen und Gründer, damit mehr Jobs entstehen. So soll es sein.

Das Impacc Team: klein, aber fein

Mit den wenigsten Stellen die meisten Jobs schaffen

Interne Prozesse sind ja oft wenig glamourös. Aber hier ist einer, über den ich gerne rede: 

Kristian Munsche kam Anfang des Jahres aus der VC- und Technologiewelt zu uns. Das Erste, was er tat: Er hat kein einziges Tool angerührt. Er hat sich stattdessen mit jeder Person im Team zusammengesetzt und gefragt, wo die Zeit wirklich hinfließt — wo die Reibungspunkte sind, welche Arbeit sich wiederholt, was die eigentliche Arbeit blockiert. Erst danach hat er angefangen, über Automatisierung nachzudenken.

Nach einem halben Jahr können sich die Ergebnisse sehen lassen. Wir haben durch die Automatisierung von Buchführung und dem Reporting unserer Beteiligungen bereits das Äquivalent von etwa 20% unserer gesamten Arbeitsbelastung eingespart. In Nairobi haben wir mit KI-Unterstützung zwei Unternehmensprüfungen parallel durchgeführt — etwas, das bisher mehrere Wochen Arbeit bedeutet hätte. Und wir bauen gerade ein Dealflow-System, das uns helfen soll, Gründerinnen und Gründer zu finden, die sonst nie in unserem Posteingang landen würden — denn die besten Unternehmer in Afrika sind oft nicht die, die mit einem polierten Pitch-Deck anklopfen.

Das übergeordnete Ziel klingt auf den ersten Blick etwas seltsam für eine gemeinnützige Organisation: Wir wollen diejenigen sein, die mit den wenigsten eigenen Stellen die meisten Jobs in Afrika schaffen. Jede Stunde, die wir bei der Verwaltung sparen, ist eine Stunde, die zurück zu den Gründerinnen und Gründern geht, denen wir eigentlich dienen. 

Kristians Regel von Anfang an: Menschen und Prozesse vor Technologie. Erst den Prozess richtigstellen, dann automatisieren. Die meisten Organisationen machen das andersherum.


Kristian macht sein Ding


Wie immer: Danke, dass ihr dabei seid. Das, was wir aufbauen — das Portfolio, das Modell, das Team — trägt sich durch euer Vertrauen und eure Spenden. Das nehmen wir nicht auf die leichte Schulter.


Herzliche Grüße von uns allen bei Impacc,

Till